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  • Bloodrayne 2

    »Mit dem Essen spielt man nicht!«, steht im Benimmbüchlein. Vampirlady Rayne hat's offensichtlich nicht gelesen. Sie treibt mit ihren zweibeinigen Mahlzeiten vor dem Verzehr allerhand blutigen Schabernack.

    »Bloodrayne 2 wird Ihnen präsentiert von ... der deutschen Metzger-Innung«, würde wohl die RTL-Ansagerin säuseln, wäre Bloodrayne 2 ein Fernsehfilm. Alternativ böte sich das Rote Kreuz als Sponsor an -- dermaßen viel Blut fließt in Terminal Realitys Schnetzelorgie. Kein Wunder, dass sich noch kein deutscher Publisher gefunden hat. Schon der Vorgänger landete vor rund zwei Jahren auf dem Index. So bleibt volljährigen Splatterfans nur der Gang zum Importhändler ihres Vertrauens.

    Drama bei Familie Untot

    Ähnlich wie Kinoheld Blade ist Madame Rayne als Tochter eines Knoblauch-Allergikers und einer Sterblichen zwischen zwei Welten gefangen, eine »Dhampir«. Nachdem sie im ersten Teil Daddy Kane gejagt hat, der ihre gesamte Verwandtschaft auf dem Gewissen hat, startet sie nun ihrerseits einen Rachefeldzug gegen seine unheilige Brut -- ihre eigenen Geschwister. Obwohl sich die Entwickler alle Mühe geben, das Familiendrama mit zahlreichen sauber gedrehten Renderfilmen spannend zu inszenieren, bleibt die Story doch -- Verzeihung -- blutleer. All die Verschwörungen und Welteroberungspläne dienen nur als Rechtfertigung, viele Finsterlinge um die Polygonecke zu bringen.

    If you want blood ...

    Zu diesem Behufe hat Miss Rayne eifrig Karate und Schwertkunst studiert. Aus sechs Standardaktionen zaubert sie beinahe 40 Attacken und Verteidigungsgriffe, dazu lernt sie im Spielverlauf fünf besonders durchschlagende Specialmoves. Keine Sorge, dafür muss man sich nicht ebenso viele Kommandos einprägen. Zum einen wählt die Heldin die passende Aktion je nach Situation automatisch. Die gleiche Buttonfolge, die sie etwa in der Offensive mit einem Sprung auf ihre Opponenten stürzen lässt, löst in der Defensive eine Rolle vorwärts aus.

    Zum andern kommt man mit einem Repertoire aus einem halben Dutzend Angriffsvarianten ganz gut über die Runden. Anders als etwa bei Prince of Persia sind viele Duelle sogar durch bloßes Rumhämmern auf den Schlagknopf zu gewinnen. Nicht gerade elegant, aber effektiv. Darüber freuen sich vor allem Tastaturbesitzer, denen Befehlsketten naturgemäß schwerer fallen als Gamepad-Akrobaten. Alles in allem lässt sich aber auch das Duo Maus und Keyboard gut an.

    Fatality!

    Im Nahkampf verlässt sich Rayne mit Vorliebe auf Tritte und vor allem ihre heiß geliebten Unterarmklingen. Die Dinger zerlegen selbst einen Eichenholztisch mit einem Hieb in seine Einzelteile -- was sie mit Fleisch und Knochen anstellen, zeigen sonst nur Horrorfilme. Abgetrennte Gliedmaßen, enthauptete Gegner, gespaltene Köpfe: Bloodrayne 2 lässt keine Grausamkeit aus. Zwar überdrehen die Entwickler den Gewaltfaktor ins Lächerliche. Man muss auch kein Sadist sein, um über Raynes One-Liner zu grinsen: »Keine Sorge, Ärzte vollbringen heutzutage Wunder mit Prothesen!« In Kinderhände gehört dieses Spiel aber auf gar keinen Fall.

    Als ob die Metzelorgie noch nicht brutal genug wäre, haben die Macher der Vampirlady mehr als ein Dutzend Todesstöße beigebracht. Dabei spießt die Dame beispielsweise ihre Opfer auf, säbelt am Boden liegenden Gegnern den Kopf von den Schultern oder zerreißt sie in handliche Stückchen. Diese »Finishing Moves« kommen immer dann zum Einsatz, wenn Rayne ihre Hauer in einem Gegnerhals versenkt. Solche Zwischenmahlzeiten bringen nicht nur verlorene Lebenspunkte wieder, sondern auch Raynes übernatürliche Kräfte in Wallung. Mit denen turnt sie dann zum Beispiel wie Max Payne in seinen besten Tagen in Zeitlupe durch die Levels oder macht sich für kurze Zeit gänzlich unverwundbar.

    Leinenzwang für Gegner

    Fernduelle bestreitet die Jägerin entweder mit einer Harpune oder zwei magischen Pistolen. Letztere empfehlen sich nur für größere Entfernungen. Einerseits, weil das Zielen mangels Fadenkreuz schwer fällt, andererseits fasst das Magazin grade mal 40 Patronen; jeder weitere Schuss kostet Lebensenergie. Lediglich der später verfügbare Granatwerfer überzeugt.

    Als elegantere Lösung empfiehlt sich die Harpune. Ein Tastendruck, schon zappelt der Bösewicht an der Kette und wirbelt durch die Luft. Mit etwas Übung lassen sich die Opfer auf Gegner schleudern, die dann zu Boden gehen, oder gegen allerhand Objekte werfen -- etwa rostige Eisenstangen (flotsch!), Nashornköpfe (pieks!) oder Gasflaschen (kawumm!). Das Prinzip machen sich die Entwickler auch in einigen »Rätseln« zunutze. So bringt Rayne eine Müllpresse zur Explosion, indem sie sie kontinuierlich mit Leichen füttert, oder schaltet ein Kraftfeld aus, indem sie Gegner auf die Sicherungskästen schubst. Beim ersten Mal noch ganz witzig, beim fünften nur noch schnarchig ...

    Angriff der Klonkrieger

    Den größten Teil des gegnerischen Aufgebots stellen Sterbliche, die, mit Gewehren, Baseballschlägern oder E-Gitarren (?!) bewaffnet, nur in Banden ein Problem darstellen. Die größte Gefahr droht, wenn Rayne im Getümmel zu Boden geht und gleich mehrere Treffer auf einmal einsteckt. Mit einem beherzten Salto entkommt man aber auch in solchen Fällen schnell der Gefahrenzone. Schade: Pro Level gibt es selten mehr als zwei, drei Angreifertypen, die aber in Massen. Wenn zum hundertachtzigsten Mal zwei Bodybuilder anrücken oder drei Lederschlampen den Weg versperren, breitet sich Langeweile aus.

    Außerdem machen auch die extrafetten Obermotze die mangelnde Abwechslung nicht wett. Die Duelle sind größtenteils einfallslos und bis auf ein, zwei Ausnahmen durch stupides Draufhauen und ausgiebigen Gebrauch des Unverwundbarkeitszaubers zu gewinnen.

    Simple Sportstunde

    Abseits der Scharmützel warten einige Geschicklichkeitseinlagen. Dann müssen Sie etwa ein gigantisches Uhrwerk erklimmen, indem Sie von Zahnrad zu Zahnrad hüpfen und sich von einem Rohr zum anderen schwingen. Anders als bei den meisten Genrekollegen erfordern die Turnübungen weder Timing noch Fingerakrobatik. Die Leveldesigner haben die Gerätschaften so fair verteilt, dass Ihre Heldin nie daneben greift oder zu kurz springt. Einzige Ausnahme sind die gelegentlichen Rutschpartien auf Geländern oder Rohren, bei denen Sie rechtzeitig die Route wechseln sollten, um nicht beispielsweise in einen Abgrund zu rauschen. Mit welchen Objekten Sie interagieren können, enthüllt die so genannte Auravision. Die färbt zum Beispiel Griffstangen gelb ein und verrät mit grünen Symbolen, wo's in den nächsten Level geht.

    Durch die Unterwelt

    Trotz der Konsolenabstammung ist Bloodrayne 2 technisch auf dem neuesten Stand. Zwar haben die Grafiker die wenigsten Figuren so wunderhübsch ausgearbeitet wie die Heldin in ihren sexy Lackklamotten, dafür glänzen die Animationen. Wenn Rayne geschmeidig wie eine Katze durch die Luft wirbelt, zwei Opponenten per Rundumschlag ins Reich der Träume befördert und dem dritten die Beine wegzieht, lacht das Herz. Die Levels haben die Designer detailliert eingerichtet, allerdings etwas an Farben gespart. Klar, als Geschöpfe der Nacht tummeln sich Vampire am liebsten an schattigen Plätzchen, aber muss sich der Rachefeldzug denn wirklich dauernd durch irgendwelchen schummrigen Hinterhöfe oder triste Abwasserkanäle ziehen?

    Mit einer Konsolenunart müssen verwöhnte PC-Spieler allerdings leben: Speicherpunkte. Die sind zwar meistens fair verteilt, zumal der Schwierigkeitsgrad auch Genreneulinge nicht überfordern sollte. Aber manchmal wünscht man sich doch eine Quicksave-Funktion. Etwa wenn der Speicherpunkt ausgerechnet vor einer extralangen Zwischensequenz liegt, die sich nicht abbrechen lässt. Seltsam, an anderen Stellen funktioniert's doch auch.

    Rüdiger Steidle

  • Bloodrayne 2
    Bloodrayne 2
    Publisher
    THQ
    Developer
    Terminal Reality
    Release
    10.02.2006

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Bloodrayne 2
Bloodrayne 2
»Mit dem Essen spielt man nicht!«, steht im Benimmbüchlein. Vampirlady Rayne hat's offensichtlich nicht gelesen. Sie treibt mit ihren zweibeinigen Mahlzeiten vor dem Verzehr allerhand blutigen Schabernack.
http://www.gamesaktuell.de/Bloodrayne-2-Spiel-19152/Tests/Bloodrayne-2-715556/
01.09.2005
http://www.gamesaktuell.de/screenshots/medium/2006/07/t_bloodrayne_999_09eps.jpg
tests