Blitzkrieg 2 getestet

Test Rüdiger Steidle

Woran Panzers 2 scheitert, meistert Blitzkrieg 2: den Vorgänger wirklich zu verbessern. Das Resultat begeistert Veteranen genau wie Neulinge, die sich mehr Tempo wünschen.

Gas geben auf der Siegerstraße

Dass sich Verluste nun endlich ausgleichen lassen, ist der eine Grund, warum sich Blitzkrieg 2 deutlich temporeicher spielt als der Serienauftakt. Der zweite Grund findet sich in den Szenarien selbst. Erinnern Sie sich noch an die gewaltigen Verteidigungsbollwerke im ersten Teil? Kilometerweite Schützengräben, eingegrabene Paks und Artilleriebombardements, durch die Sie sich Zentimeter für Zentimeter durchbeißen mussten? Nun, die gibt's noch -- aber nicht mehr vor jedem popligen Kuhdorf.

Die Leveldesigner lassen Ihnen viel mehr Raum zum Manövrieren und Probieren. So manche Stellung können Sie mit einer konzentrierten, schnell ausgeführten Attacke einfach überrennen, manche Kreuzung oder Siedlung im Handstreich nehmen. Aber Achtung, auch der Computergegner präsentiert sich agiler, geht nicht selten zum Gegenangriff über und wirft Verstärkungen an die Front. Denn auch Ihr Gegenüber erhält regelmäßig Nachschub. Erst wenn Sie seine Versorgungsdepots erobern, haben Sie endgültig Ruhe.

Knifflige Taktik-Puzzles

In Berlin blasen unsere Truppen zum Sturm auf den Reichstag. Das Ende des Sowjet-Feldzugs ist nah. Spielzeit bislang:zirka zehn Stunden. Die beiden anderen Kampagnen dauern in etwa genau so lang. In Berlin blasen unsere Truppen zum Sturm auf den Reichstag. Das Ende des Sowjet-Feldzugs ist nah. Spielzeit bislang:zirka zehn Stunden. Die beiden anderen Kampagnen dauern in etwa genau so lang. Keine Sorge, Blitzkrieg 2 ist nicht zur hektischen Klickorgie mutiert. Bedächtige Taktiker und Knobelspieler haben nach wie vor ihre Freude. Denn natürlich ist die effektivste Attacke immer noch die wohlüberlegte. Wer auf Nummer sicher gehen und seine Schützlinge schonen will, kundschaftet die gegnerischen Linien erst mal mit dem Fernglas aus (hat jetzt fast jede Infanteriegruppe dabei). Scheinen die Feindesreihen stark befestigt, empfehlen sich ein paar Artilleriesalven, um den Angriff vorzubereiten. Alternativ bietet sich ein Bombardement aus der Luft an. Schlachtflieger und Jäger lassen sich diesmal direkter steuern als im Vorgänger und, weil sie länger im Einsatzgebiet bleiben, auch auf mehrere Ziele ansetzen. Nur die Flächenbomber halten nach wie vor stur ihren Kurs und brummen nach dem Abwurf wieder davon.

Sobald beim Feind heilloses Durcheinander herrscht, stoßen idealerweise Panzer und Fußtruppen gemeinsam vor. Die Tanks durchbrechen die Front und rollen die Verteidigungsanlagen von hinten auf, die Grenadiere kümmern sich um die letzten Widerstandsnester. Damit sich solche Großangriffe auch vernünftig planen und steuern lassen, kann man die Spielgeschwindigkeit zehnfach runterregeln.

Im Schutz der Nacht

Die Befehlshaber lernen neue Taktiken. Die Panzer von Phillip können im Fahren schießen. Die Befehlshaber lernen neue Taktiken. Die Panzer von Phillip können im Fahren schießen. Fanden Sie sich im Vorgänger noch meistens auf Seiten der Aggressoren wieder, sind die Aufgaben im zweiten Teil vielfältiger. Mal sollen Sie im Schutz der Nacht mit einem Sabotagetrupp durch die feindlichen Linien sickern und dabei möglichst die Suchscheinwerfer der gegnerischen Flakbatterien meiden. Da trifft es sich gut, dass Sie auf Ihrem Weg über ein Gefangenenlager stolpern. Die befreiten Panzerfahrer sind überglücklich, wieder in ihre Vehikel zu klettern und sich dem Unternehmen anzuschließen.

Ein andermal müssen Sie die Rote Armee bei dem verzweifelten Versuch unterstützen, Sewastopol gegen eine erdrückende Übermacht der Deutschen zu halten, die Welle um Welle gegen die Sowjets werfen. Dann wieder spielen Sie Babysitter für einen Versorgungskonvoi, der übers Meer einläuft. Nur wenn Sie Küstenbatterien, Luftwaffe und Schnellboote sauber koordinieren, schaffen die unbewaffneten Lastkähne den Durchbruch. Dann wiederum errichten Sie selbst eine Blockade und müssen versuchen, einen flüchtenden Konvoi um jeden Preis zu stoppen. Die altbekannten Großangriffe gibt's natürlich nach wie vor, die Mischung ist diesmal aber einfach besser.

Bis ins kleinste Detail

Sie wählen selbst aus, welche Gefechte Sie wann spielen möchten. Zwei, drei Vorausgefechte sind aber für die Hauptschlacht Pflicht. Sie wählen selbst aus, welche Gefechte Sie wann spielen möchten. Zwei, drei Vorausgefechte sind aber für die Hauptschlacht Pflicht. Auch technisch gibt's allerhand Verbesserungen, allen voran natürlich die runderneuerte Grafik-Engine. Der gelingt es bravourös, den Modellbahn-Look des Vorgängers in die 3D-Welt zu importieren. Das einzige Problem: All die kleinen Details -- Klobuden vor dem Bauernhaus, Blumenbeete im Garten, Öltanks, Container, Kistenstapel, Häuserruinen -- gehen in höheren Auflösungen etwas unter. Dagegen sind die Fahrzeuge erstklassig animiert. Ein Panzer etwa hinterlässt Kettenspuren und Abgasqualm, wenn er durch ein Feld pflügt, kommt dann wippend zum Stehen, dreht langsam seinen Turm, feuert und wird vom Rückstoß durchgeschüttelt. Die Fußtruppen können da mit vergleichsweise wenigen Bewegungsstufen nicht ganz mithalten, sehen aber mindestens so gut aus wie im ersten Teil. Auch die Spezialeffekte haben die Grafiker ordentlich aufgemöbelt. Die farbenprächtigen, strahlenden Explosionen suchen ihresgleichen.

Knäckebrot-KI

Blöderweise blieb den Programmierern anscheinend keine Zeit mehr, auch die KI-Routinen zu überarbeiten. Es kommt immer noch viel zu oft vor, dass Tanks beim Rückzug dem Feind die verwundbare Flanke oder das Heck zeigen, statt einfach den Rückwärtsgang einzulegen. Gelegentlich weigern sie sich auch aus unerfindlichen Gründen, selbstständig Ziele anzugreifen. Verstärkt werden diese Probleme dadurch, dass es erneut keine richtigen Formationsbefehle und nur rudimentäre Verhaltensorder gibt. So halten Panzer direkt auf Infanterie zu und wagen sich damit in Reichweite der Granaten, wenn nicht rechtzeitig der Haltebefehl kommt. Den Spielspaß gefährdet das zum Glück kaum, schließlich lassen sich die Schwächen durch Pausieren und Mikromanagement umgehen. Dafür haben die Macher den Netzwerkcode ausgebessert: Lags oder Desyncs sind uns nicht aufgefallen.

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