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  • Bioshock: Infinite - gerechtfertigte Lobpreisungen und Bestnoten? Leser-Test von GenX3601966

    Bioshock: Infinite erlebte in der Weltpresse ein wahres Feuerwerk von Auszeichnungen, Lobpreisungen und Bestnoten. Ich habe das Spiel ausführlich getestet und komme nicht ganz zu diesem Urteil. Was es bei mir für einen Eindruck hinterlassen hat, lest ihr hier.

    Story

    Eines vorweg, man sollte den ersten Teil von Bioshock gespielt haben, um die ganze Geschichte besser verstehen und die Parallelen zu den Vorgängern nachvollziehen zu können. Denn die Story um die Unendlichkeit des Raums (Infinite) ist für manche sicher nicht leicht verständlich. Es geht um Risse in Dimensionen von Zeit und Raum, ein mysteriöses Mädchen namens Elizabeth und die fliegende Stadt Columbia. Das ist schon mal ein richtiges Brett und selbst für ein Videospiel ein ungewöhnlicher Hintergrund. Der Spieler übernimmt die Rolle des Kriegsveteranen Booker DeWitt, der bei den US-amerikanischen Indianerkriegen gegen Ende des 19. Jahrhunderts und dem Massaker am Wounded Knie teilgenommen hatte und sich nun als Söldner durchschlägt, um seine Schulden zu bezahlen.

    Dafür bekommt er von seinen zwielichtigen Auftraggebern, denen er während der Geschichte immer wieder begegnet, den Befehl, die junge Elizabeth aus einer riesigen Gefängnisstatue der Wolkenstadt Columbia zu befreien. Booker DeWitt gelangt zu einem Leuchtturm, der sich als eine Art Raketenbasis herausstellt und wird hoch durch die Wolken nach Columbia katapultiert. Die Stadt, deren Bezirke auf riesigen, vereinzelten schwebenden Plattformen wohnen, entpuppt sich bald nicht mehr als das Paradies der Schönen und Reichen des Jahres 1912. Denn es gibt Rassismus, Unterdrückung und Überwachung. Es herrscht eine Diktatur, über die der Prophet und Stadtgründer Zachary Hale Comstock wacht. Der Glaube an Gott und bedingungsloser Patriotismus sind seine Religion.

    Grafik und Spieldesign

    Natürlich macht sich Booker dort nicht viele Freunde und so bekommt er bald Ärger mit den Stadtwachen und wird schnell zum gesuchten Mörder und Anarchisten abgestempelt. Ab diesem Zeitpunkt macht die halbe Stadt Jagd auf ihn.
    Doch man hat zu Beginn noch genügend Zeit und Ruhe, um sich in der wunderschönen Stadt mit der intakten Jugendstil-Architektur umzuschauen. Überall herrscht buntes Treiben im strahlenden Sonnenlicht. Kinder spielen mit einem Hydranten am Straßenrand, während das Wasser realistisch über das Kopfsteinpflaster zum nächsten Abfluss plätschert, Kolibris schwirren zwischen Sträuchern und Blumen herum, deren Duft man förmlich riechen kann. Die bezaubernde Welt da oben macht einen surrealen Eindruck, der aber aufgrund seiner zahlreichen Bewohner doch sehr authentisch wirkt. Man wird von dem einen oder anderen NPC angesprochen und kann Gespräche der Einwohner belauschen.

    Wer die pittoresken Momente mit den Yaks und den spielenden Kindern aus dem nepalesischen Dorf von Uncharted 2 kennt, der wird sich hier so richtig wohl fühlen. Denn Infinite ist voll von solchen Momenten. Allerdings kann man fast gar nicht mit den Bewohnern Columbias interagieren. Meistens beschränken sich ihre Kommentare nur auf einen einzigen Satz und dann schweigen sie für die Ewigkeit. Die Gesichter der Menschen wirken lebensecht, haben aber dennoch etwas comichaftes. So wie die ganze Stadt. Brücken und Tore öffnen sich, Gondeln schweben an der sogenannten Skyline, einem riesigen System von einer Art Achterbahn, die man später in einigen Abschnitten des Spiels benutzen kann. Die Liebe zum Detail fällt einem sofort ins Auge. Auf den Konsolen kommen diese allerdings nicht so sehr zur Geltung. Wie die Weitsicht wirkt hier alles etwas verwaschen und neblig. Nur auf dem PC kann man die volle Pracht in hoher Auflösung genießen. Trotzdem bleibt Columbia in der ersten Spielstunde sehr beeindruckend, etwa so wie die Unterwasserstadt Rapture aus dem ersten Bioshock.

    Künstliche Intelligenz

    Wenn man Elizabeth einmal aus ihrem Gefängnis befreit hat, ist sie für den Rest des Spiels euer ständiger Begleiter und ein Kernelement des Spiels. Sie hat die Gabe, Risse in Zeit und Raum zu öffnen, was die Befreiung und Flucht mit ihr nicht gerade einfacher macht. Denn Prophet und Diktator Comstock hetzt ganze Armeen von Wächtern und Soldaten auf das Pärchen, die im Verlauf des Spiels eine ganz besondere Beziehung entwickeln. Doch darüber wird hier nichts weiter verraten.
    Elizabeth ist im Gegensatz zu anderen KI-Begleitern kein Störfaktor. Sie steht niemals in der Schusslinie und macht auch sonst keinen Ärger. Ganz im Gegenteil, wenn einem mal die Munition ausgeht, wirft sie einem Nachschub zu, sie rettet in kritischen Momenten Booker das Leben durch Medipacks (es gibt keine regenerative Lebensenergie) oder wirft einem im Kampf Salze zu, die man für Spezialfähigkeiten braucht.

    Steht man vor einem Verkaufsautomaten, scheint sie unsere Geldknappheit zu erahnen und wirft uns eine Münze zu. Sie macht einen sogar darauf aufmerksam, wenn sich ein wichtiger versteckter Gegenstand in unsrer Nähe befindet, den wir möglicherweise übersehen haben. Elizabeth kann im Kampf zusätzlich Gegenstände wie Geschütze oder Deckungen herbeizaubern, wenn wir ihr befehlen, an einer bestimmten markierten Stelle einen Riss in Raum und Zeit zu öffnen.
    So nützlich und clever Elizabeth im Spiel agiert, so unnütz und dämlich sind aber auch die wenig unterschiedlichen Gegnertypen. Meist handelt es sich um Soldaten oder sonstiges Fußvolk, die fast immer wie Moorhühner zum Abschuss parat stehen oder sinnlos auf einen zu gerannt kommen. Bis auf den Handyman, einem gelegentlichen Zwischengegner, sind die Feinde, auch die stärkeren wie der Patriot mit seiner Gatling-Gun, oftmals nur Kanonenfutter auf dem normalen Schwierigkeitsgrad.

    Waffen und Vigors

    Die Schrotflinte ist also der beste Freund von Booker, wenn man sich nicht auf den Nahkampf mit Hilfe der Vigors, im deutschen nur allgemein hin als "Kräfte" bezeichnet, einlassen will. Die Kräfte sind in Infinite das, was in den Vorgängern die Plasmide waren. Statt sie zu injizieren, muss man nur einen kräftigen Schluck aus der Pulle nehmen und besitzt dann die Kraft dauerhaft. Ihre Munition sind Salze, die man wie die Munition für Waffen in allerlei Kisten, Schränken und Behältnissen finden kann. Mit den Kräften kann man Elektroschocks austeilen, Gegner zurückwerfen usw.
    Auch alle Waffen findet man im Verlauf des Spiels. In dieser Hinsicht unterscheidet sich Infinite kaum merklich von seinen Vorgängern. Es gibt wie immer die üblichen Verdächtigen: Pistole, Karabiner, Maschinengewehr, Schrotflinte, Snipergewehr, Panzerfaust usw. Die Vielfalt ist groß, aber der Nutzen begrenzt sich auf stupides Geballer. Mehr Taktik kommt erst durch die Kräfte ins Spiel. Allerdings ist sind die Möglichkeiten für ein kreatives Vorgehen im Spiel lange nicht so groß wie beispielsweise bei Dishonored oder Deus Ex 3.

    Man kann Aufzeichnungen finden, Geschütze manipulieren und verborgene Räume finden, wie im ersten Bioshock von 2007/2008. Das hat man aber alles schon einmal so gesehen und langweilt auf Dauer. Die Suche nach Items, Geld und dem richtigen Weg ist oftmals nervig, trotz GPS-Richtungspfeilen, die man auf Tastendruck des Steuerkreuzes einblenden kann. Gelegentliches verstecktes Backtracking ist wohl dazu gedacht, die Spielzeit künstlich zu strecken. Die Parallelen im Kampfsystem zu den veralteten Vorgängern sind unübersehbar, auch wenn es einige Neuerungen wie Rüstungsteile (Hüte, Anzug, Stiefel usw.) gibt, sie revolutionieren das Genre in keinster Weise. Kein Rückschritt, aber da wäre mehr drin gewesen. Die Skyline-Achterbahnfahrten muntern das Spielgeschehen etwas auf und bieten Abwechslung, täuschen eine offene Spielwelt aber nur vor. Dafür machen die rasanten Fahrten in den Kämpfen aber wirklich sehr viel Spaß. Das ganze hätte man noch mehr ausbauen können. So bleibt es nur mehr ein Hilfsmittel, um Gegner besser angreifen zu können. Für neue Innovationen wie z.B. Physikrätsel mit der Skyline blieb auch hier kein Platz übrig.

    Atmosphäre und Soundkulisse

    Sound und Musik passen zur Stimmung des Jahres 1912. Man kann auf seinem Weg durch Columbia einige Gesangsquartetts belauschen, Grammophone spielen zeitgenössische Chansons und Kirchenglocken läuten melodisch und kraftvoll in der Ferne, dazu summt eine Biene vorbei, zwitschert eine Krähe im Hintergrund.
    Wenn es zur Sache geht, hört man dicke Explosionen, mächtiges Kanonenfeuer und berstendes Metall. Realistisch kracht es an allen Ecken und Enden. In den späten Kämpfen des Spielverlaufes hat man sogar etwas zu dick mit dem Krawall aufgetragen. Die deutschen Synchronsprecher leisten hervorragende Arbeit, aber wie meistens ist das Original noch eine Spur besser vertont worden.

    Wie anfangs bereits erwähnt, ist die große Spielwelt auf der Wolkenstadt Columbia der eigentliche Star des Spiels. Mir persönlich gefiel die Unterwasserwelt mit Rapture besser, weil sie noch fantastischer war. Die engen Gänge weichen jetzt zwar den offenen Arealen von Columbia, aber das macht Infinite noch lange nicht zu einem Open-World-Game. Die Story verläuft linear und man kann in bereits besuchte Gebiete ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr zurückkehren.
    Die Beklemmung, die sich in Rapture breit machte, ist nun einer Faszination für das scheinbar Unmögliche gewichen. Columbia wird im Spielverlauf zwar auch immer mehr in Mitleidenschaft gerissen, aber man fühlt sich zu keinem Zeitpunkt so unwohl, wie in der bröckelnden und tropfenden Unterwasserstadt.

    Die Atmosphäre von Infinite profitiert mehr aus dem Fantastischen, wie man es vom Zauberer von Oz kennt. Solche abgefahrenen Charaktere wie Andrew Ryan und Frank Fontaine aus Bioshock gibt es zwar auch wieder in Infinite, aber sie besitzen nicht mehr diesen ansteckenden Wahnsinn, der uns das fürchten lehrte. Sie sind diesmal eine Spur zu brav geworden, zu realistisch für so eine paradoxe Story wie die von Infinite. Man ist diesmal auch viel zu sehr auf Elizabeth fixiert. Alles dreht sich eigentlich nur um sie. Das allerdings auch aus gutem Grund, wie man am Ende erfahren wird.
    Überhaupt sollte man sich gut auf den Verlauf der verrückten Story konzentrieren, um die Geschichte zu verstehen, die uns Irrational Games hier auftischen möchte. Der Name der Entwickler kommt nicht von ungefähr.

    Fazit

    Bioshock: Infinite erfindet das Rad nicht neu und enttäuscht etwas auf spielerischer Ebne. Denn es ist und bleibt ein knallharter Shooter mit Rollenspielelementen und dafür konnte mir das Spiel nicht genügend neues bieten. Man verbringt zumindest die Hälfte des Spiels mit Actionsequenzen, die einfach nicht mehr auf der Höhe der Zeit sind. Dazu kommt die verwaschene Optik des Spiels auf den Konsolen, die für einen Ego-Shooter unbefriedigend ist. Zeitgemäß ist aber der Schwierigkeitsgrad, der sich auf eher niedrigem Niveau bewegt, aber beliebig anpassen lässt. Erzählerisch ist der Titel wohl kaum noch zu übertreffen. So eine geniale Story in einem Videospiel muss man heutzutage mit der Lupe suchen! Vor allem die letzte halbe Stunde im Spiel ist eine einzige Offenbarung und entschädigt die technischen Mängel zum Großteil. Das Spieldesign ist einzigartig und unterstützt die prächtige Atmosphäre, die Bioshock: Infinite zu einem Pflichttitel für alle Fans von epischen und fantastischen Geschichten macht. Hauptsächlich das rechtfertigt eine sehr gute Note für den Gesamteindruck.

    Bioshock Infinite

    Spielspaß
    Gesamtwertung
    Wertung von: GenX66
    89 %
    Multiplayer
    -
    Grafik
    8/10
    Steuerung
    8/10
    Sound
    9/10
    Atmosphäre
    10/10
    Gamesaktuell
    Spielspaß-Wertung
    -
    Leserwertung:
     
    Meine Wertung
  • Bioshock Infinite
    Bioshock Infinite
    Publisher
    2K Games
    Developer
    Irrational Games (US)
    Release
    26.03.2013
    Es gibt 5 Kommentare zum Artikel
    Von Tito
    So eine geniale Story muß man woanders mit der Lupe suchen reicht mir als Fazit.Gut geschrieben.
    Von Leander96ps
    Guter Test! Das Spiel ist wirklich genial!
    Von Finalwarpigy
    Sehr guter Test der sich nicht von den Stärken des Spiels blenden lässt. Ein Großteil der Internationalen Tests wurden…
    • Es gibt 5 Kommentare zum Artikel

      • Von Tito
        So eine geniale Story muß man woanders mit der Lupe suchen reicht mir als Fazit.
        Gut geschrieben.
      • Von Leander96ps
        Guter Test! Das Spiel ist wirklich genial!
      • Von Finalwarpigy
        Sehr guter Test der sich nicht von den Stärken des Spiels blenden lässt. Ein Großteil der Internationalen Tests wurden wohl mit der "rosaroten" Brille auf der Nase gezockt. Ich hielt auch schon den ersten Teil damals für überwertet.
        Trotzdem hatte ich mit Infinite mehr Spaß als mit 95% der anderen Shooter…
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Bioshock Infinite
Bioshock: Infinite - gerechtfertigte Lobpreisungen und Bestnoten? Leser-Test von GenX3601966
Bioshock: Infinite erlebte in der Weltpresse ein wahres Feuerwerk von Auszeichnungen, Lobpreisungen und Bestnoten. Ich habe das Spiel ausführlich getestet und komme nicht ganz zu diesem Urteil. Was es bei mir für einen Eindruck hinterlassen hat, lest ihr hier.
http://www.gamesaktuell.de/Bioshock-Infinite-Spiel-18983/Lesertests/Bioshock-Infinite-gerechtfertigte-Lobpreisungen-und-Bestnoten-Leser-Test-von-GenX3601966-1062781/
02.04.2013
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