Assassin's Creed 3 im Test: Wir haben eines der absoluten Most-Wanted-Spiele des Jahres sowohl auf Xbox 360 als auch PS3 durchgespielt und sagen euch, ob die Serienfortsetzung auf den Konsolen den haushohen Erwartungen gerecht wird.
Assassin's Creed 3 im Test: Kaum eine Serie hat so schnell einen Kultstatus erreicht wie die Assassin's Creed-Reihe – nach dem die Reihe 2007 gestartet ist, bleibt der lautlose Meuchelmörder heute sogar Pro-7-Sketchsendungen nicht fern. Doch spätestens seit dem letzten Teil – Assassin's Creed: Revelations – verlangen Fans nach deutlichen Neuerungen. Wenn es nach den Veteranen geht, hat man zu oft in der Haut von Ezio Renaissance-Städte durchforstet, ähnliche Missionen absolviert und gleiche Kämpfe erlebt. Auf den ersten Blick erfüllt der heißersehnte dritte Teil diese Wünsche nach Neuerung: Mit Nordamerika im 18. Jahrhundert ist das Setting komplett neu und auch Halbblut-Indianer Connor als Held haucht frischen Wind in die Segeln der Serie.
Zudem haben die Entwickler versprochen, das Kampfsystem zu überarbeiten und ebenso mit einer verbesserten Anvil-Grafik-Engine die Meuchler-Serie grafisch noch schöner zu machen. Wir haben das Mammut-Projekt der über 600 beteiligten Entwickler und mehrerer Ubisoft-Studios unter die Lupe genommen. Am Ende mussten wir feststellen, dass den Kanadiern zwar vieles wahrhaft grandios gelungen ist, aber auch die eine und andere Technik- und Gameplay-Tücke sich in das Spiel eingeschlichen hat. Warum wir Assassin's Creed 3 mit Abzügen in der B-Note trotzdem empfehlen können, verraten wir euch in unserem Assassin's Creed 3-Test.
Das hat uns in Assassin's Creed 3 gefallen
Der Einstieg
Quelle: Ubisoft
Der Beginn von Assassin's Creed 3 ist gelungen.
Der Beginn von Assassin's Creed 3 ist – wie bereits in den Vorgängern – absolut gelungen. Zum einen überraschen die Macher uns Spieler mit einem unerwarteten Spielcharakter: Statt sofort Connors Kindheit oder Jugend in den ersten Spielstunden zu erleben, steuert ihr erst einmal den zwielichtigen englischen Gentleman Haytham. Zum anderen steuern wir nach circa zwei Stunden den jungen Connor in seiner Mohawk-Siedlung, hören wie unsere jungen Freunde die Indianersprache sprechen und spielen mit ihnen Verstecken. Man bekommt anfangs einen guten Bezug zum neuen Helden der Serie.
Desmond-Story
Die Story um Connor im 18. Jahrhundert und seinem Vaterkonflikt reißt vielleicht nicht so richtig mit, dafür punktet Assassin's Creed 3 mit der Handlung um den Ex-Barkeeper Desmond. In Teil 3 soll der eigentliche Hauptheld der Reihe ein prophezeites Ende der Welt für den 21.12.2012 verhindern, indem er in eine mysteriöse Kammer gelangt. Zwischen den Connor-Missionen erfahrt ihr immer mehr über eine Vorgängerzivilisation der Erde, die ein ähnliches Ende mit allen Mitteln und voller Verzweiflung versucht haben zu stoppen. Zudem dürft ihr nun auch eine zwei spannende Missionen mit Desmond in der modernen Welt spielen.
Grafik
Quelle: Ubisoft
Ruckler stören ab und an das Spielgeschehen.
Die Assassin's Creed-Reihe gehört zu den schönsten Konsolentiteln überhaupt. Zwar haben die Entwickler der aktuellen Generation ein wenig zu viel zugemutet, weshalb die Sichtweite etwas zu niedrig ist, Objekte zu spät auf den Bildschirm auftauchen und manchmal Ruckler das Spielgeschehen stören, aber trotzdem ist man des Öfteren erstaunt, was die "alte" Xbox 360 und PS3 zu leisten vermag. Grandios sind zum Beispiel die Schlachten, sowohl auf See als Land, inszeniert. Die verbesserte Grafik-Engine kann zum Beispiel Tausende Soldaten zeitgleich darstellen, mit schönen Lichteffekten prahlen und einzelne Charaktere sehr detailliert darstellen.
Geschichtsunterricht vom feinsten
Als Geschichtsinteressierter sollte man sich Assassin's Creed 3 unbedingt kaufen. Die Entwickler haben zum Beispiel mit Boston und New York zwei Städte historisch akkurat mit allen wichtigen Gebäuden und dazugehörigen detaillierten Beschreibungen in das Spiel gepackt. Auch alle Charaktere haben einen langen Lebenslauf, den man in der Animus-Datenbank nachlesen kann. Zudem spielt ihr (historisch eher inakkurat) wichtige Ereignisse des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges nach, wie etwa die Boston Tea Party oder die Schlacht am Bunker Hill. Diese Aufträge sind grafisch astrein und erzeugen die richtige Atmosphäre, sodass man das Gefühl hat, selbst an einem wichtigen historischen Ereignis teilzuhaben.
Viel zu tun
Quelle: Ubisoft
Geschichtsunterricht in Videospielform.
Besonders positiv ist in Assassin's Creed 3 der Open-World-Part. Im Vergleich zu den Vorgängern ist die begehbare Umgebung mindestens doppelt so weitläufig und dabei ebenso lebendig. In der Wildnis der Grenzländer könnt ihr zum auf die Jagd gehen und Sammelmissionen erledigen, in den Städten warten Assassinen auf eure Hilfe, ihr könnt eure Heimatsiedlung Davenport aufbauen und Handel treiben und obendrein gibt es die fabelhaften Schiffmissionen.
Die Schiffmissionen
Sobald ihr in eurer Siedlung Davenport die kleine Fregatte Aquila seetauglich gemacht habt, könnt 16 grafisch opulente Schiffsmissionen erledigen. In den Aufträgen müsst ihr etwa gegen englische Linienschiffe vorgehen, Handelsschiffe eskortieren oder gegen fiese Freibeuter vorgehen. Da die etwas langsame Steuerung mit langen Reaktionszeiten für große Segelschiffe glaubwürdig wirkt und die Gefechte trotzdem einen passenden Arcade-Charakter haben, machen die Seeschlachten so richtig Spaß.
Das hat uns in Assassin's Creed 3 nicht gefallen
Technikfehler
Wie bereits erwähnt, Assassin's Creed 3 leidet darunter, dass die aktuelle Konsolengeneration nicht mehr so richtig mithalten kann. Grafik-Pop-ins, Ruckler und eine mal geringe Sichtweite sind auf beiden Konsolen an der Tagesordnung. Stören die Pop-ins in den Städten nur die Atmosphäre, nerven zu spät auftauchende Gegner in Missionen aber so richtig. Da man in vielen Hauptaufträgen schleichen muss und nicht erkannt werden darf, mussten wir oft das Spiel neuladen, weil Gegner zu spät sichtbar wurden.
Schleichmissionen
Quelle: Ubisoft
Schleichen ist eine wichtige Eigenschaft.
Klar, Schleichen ist eine wichtige Eigenschaft eines Meuchelmörders und so passen Stealth-Missionen astrein in die Assassin's Creed-Reihe. Dummerweise haben solche Aufträge jedoch nie sehr gut in der Serie funktioniert. Das liegt vor allem an der mal unpräzisen Steuerung und an den oben erwähnten Techniktücken. Deshalb verstehen wir die Entwickler nicht, dass sie uns nicht nur einen solchen Auftrag zumuten, sondern gleich mehrere Schleichmissionen. Erst nach mehreren Versuchen, wenn man endlich den von den Entwicklern ausgedachten Weg erkennt, konnten wir diese Aufträge erfolgreich absolvieren – also nach 7-8 Versuchen.
Die Neuerungen in der Spielmechanik sind eher unbedeutend
Assassin's Creed 3 hat ein neues, dynamischeres Kampfsystem. Dadurch wirken die Keilereien etwas schneller und herausfordernder, doch so richtig stark anders fühlt sich das Kampfsystem nicht an. Auch die neue Waffe im Spiel – ein Pfeil mit einem Seil – kann man zwar gegen die Feinde anwenden, muss man aber in keiner Hauptmission. Das gleiche gilt für das neue Handelssystem mit Pelzen, Holzwaren & Co. : Ihr könnt nach Belieben mehr Geld dazu verdienen, um die Haupthandlung und die dazugehörigen Missionen zu erledigen, braucht ihr euch darum nicht zu kümmern.
Boston und New York sehr ähnlich
Quelle: Ubisoft
Auch Jagdaufgaben warten auch uns.
Wir finden es sehr lobenswert, dass Ubisoft der Assassin's Creed-Reihe mit einem neuem Setting frischen Wind in die Segel bringt. Doch Städte in den englischen Kolonien im späten 18. Jahrhundert haben ein Problem: Sie waren klein und überschaubar. Für uns Europäer gibt es in beiden Städten kaum oder keine Sehenswürdigkeiten, die man unbedingt im Spiel gesehen haben muss (wie etwa das Kolosseum in Rom oder die Kathedrale von Florenz). Zudem wirken beide Städte zum Verwechseln ähnlich was die Architektur angeht.
