Der Nachfolger von Operation Flashpoint glänzt mit ebenso gigantischen wie atmosphärischen Schlachtfeldern, macht es allerdings Einsteigern unnötig schwer.
Wer so spielt, lebt nicht lange: Aufrecht übers Feld zu staksen ist bei Armed Assault eine doofe Idee. Zudem trifft man mit dem MG stehend nichts.
»Drei! Feuer auf ... T-72, zwölf Uhr!« »Zwei! Feuer auf ... BMP, ein Uhr!« »Eins! Gegnerischer Scharfschütze ... 300 Meter, ein Uhr!« Zwei Raketen zischen los, rasen über uns hinweg, während wir uns hinter eine Sandsackbarriere kauern, denn auch von der anderen Seite prasseln Projektile auf uns ein. Ein unglücklicher Kollege hebt den Kopf -- däng! »Oh nein! Nummer vier hat’s erwischt!« Vorsichtig linsen wir mit dem Fernglas durch eine Lücke in den Absperrungen: Ein halbes Dutzend Panzer und Transporter quälen sich den Hügel hoch, den wir halten sollen. Einer fliegt mit dumpfem Krachen in die Luft; eine der Panzerabwehrraketen hat wohl ihr Ziel gefunden. Dazwischen rennen und robben zig Soldaten, andere liegen leblos daneben. Rote Leuchtspurgeschosse peitschen kreuz und quer, in der Ferne knattern zwei Helikopter über den Horizont.
Wir werden mitten in einen Krieg geworfen. Mal als Schütze 08/15, mal als LKW-Fahrer, als Offizier oder Pilot, doch immer als kleines Rädchen im Getriebe. Kein anderes Spiel vermittelt eine derart intensive Schlachtfeld-Atmosphäre wie Armed Assault. Kein anderes Spiel -- außer Vorgänger Operation Flashpoint, mit dem die Entwickler von Bohemia Interactive vor fünf Jahren einen Überraschungshit landeten.
Klotzen, nicht kleckern
Panzer entwickeln erst mit vier MannBesatzung ihr volles Potenzial.Das heißt:Wir geben Richtung und Ziele vor. Die KI fährt und feuert.
Es ist die schiere Größe des Konflikts, die Armed Assault genauso wie den ersten Teil von allen anderen Militär-Shootern abhebt. Es gibt keine »Levels«, das Spiel simuliert eine komplette, rund 400 Quadratkilometer große fiktive Insel namens Sahrani. Mit Dörfern, Farmen, Kleinstädten, Flugplätzen bis hin zu Details wie Telefonzellen, Strommasten und Bushaltestellen. Im Norden die Sozialistische Republik Sahrani, im Süden ein kleines Königreich.
In letzterem bilden gerade amerikanische GIs ihre neuen Verbündeten der einheimischen Armee aus, als plötzlich die sozialistische »Befreiungsarmee« über die Brüder im Süden her fällt. Wir erleben die Invasion als Teil einer Patrouille, die nichts ahnend in die Stadt Corazol gerufen wird: »Irgendjemand knallt da rum.« Doch als wir ankommen, erwarten uns keine Kinder mit Feuerwerkskörpern, sondern feindliche Soldaten mit Sturmgewehren und Panzerfäusten. Zwei unserer Geländewagen gehen in Flammen auf, und unserem Trupp bleibt nur die Flucht.
Rambo in Rente
Eines lernen wir schon im ersten Einsatz: Wer den Helden spielt, überlebt nicht lang. Oft genügt schon eine gegnerische Kugel, und wir hauchen unser Bildschirmleben aus. Deshalb: Kopf runter und auf dem Bauch durchs Gemüse robben. Ballern bringt uns ebenso wenig weiter. Zum Meisterschützen wird nur, wer sich Zeit zum Zielen nimmt, wer Einzelschuss statt Dauerfeuer nutzt und auf längere Distanz auch die Ballistik einberechnet. Dabei geht es nicht darum, Kerben im Kolben zu sammeln. Wir haben eine Aufgabe zu erfüllen. Und in der ersten Mission lautet die schlicht: Leib und Leben retten. Armed Assault ist eher Kampfsimulation als Ego-Shooter.
