Anno ist Legende. Wer der Versuchung bislang widerstehen konnte, muss jetzt ganz stark sein.
Gerade einmal zehn Euro will Budget-Spezialist Koch noch für das heißeste PC Spiel 2002 haben. Billiger gibt's nur den Vorgänger Anno 1602 -- und zwar auf der Juli-DVD von PC PowerPlay. Schon der avancierte in Rekordzeit zum Klassiker. Kein anderes Aufbaustrategie-Spiel schafft diesen perfekten Spagat zwischen komplexer Wirtschaftssimulation und geruhsamem Siedeln. Außer eben dem Nachfolger. Und der macht fast alles besser: Detailgrad, Grafik, Bedienung, Umfang -- lediglich der Mehrspielermodus fehlt.
Was ist Anno?
Für die Wenigen, die Anno verschlafen haben, sei das Spielprinzip noch einmal kurz umrissen: Als Entdecker gründen Sie im 16. Jahrhundert Kolonien auf den Inseln der Neuen Welt. Weil Ihren Siedlern die baufälligen Hütten bald zu eng werden, müssen Sie expandieren und den Warenkreislauf in Schwung bringen. Steinbrüche, Eisenminen und Holzfällerhütten liefern Baumaterial, fürs leibliche Wohl der Schützlinge sorgen Kornbauern und Schweinefarmen. Die meisten Produktionsketten verknüpfen mehrere Glieder. Zur Werkzeugherstellung benötigen Sie etwa Bergwerk, Eisenschmelze, Holzfäller und Schmied.
Mit der Siedlung wachsen auch die Ansprüche der Einwohner. Die machen ohne Feierabendbierchen bald keinen Finger mehr krumm, wozu Sie Schankstuben und Destillen aus dem Boden stampfen müssen. Weil kaum einmal alle Rohstoffe auf einer Insel zu finden sind, müssen Sie Ihr Reich ständig erweitern, mit Nachbarn Handel treiben oder ihnen in Echtzeit-Schlachten Land abjagen. Die Strategie-Anteile sind bei Anno 1503 allerdings eher Nebensache.
Woher diese Faszination?
Dass man beim Siedeln oft völlig die Zeit vergisst, liegt an einer ganzen Reihe von Suchtfaktoren. Etwa dem bereits erwähnten Expansionszwang. Dauernd wollen neue Warenketten aufgereiht, neue Rohstoffe entdeckt und Handelspartner gefunden werden.
Außerdem ist da noch der faszinierende Detailgrad: Die Städte sprühen mit ihren wuseligen Einwohnern vor digitalem Leben. Ihre Bürger bummeln zum Markt, besuchen die Kirche, begaffen Gaukler in den Straßen. Selbst nach drei Jahren ist die detailreiche 2D-Grafik von Anno 1503 noch ansehnlich, wenn sie auch mittlerweile wegen der niedrig aufgelösten Renderobjekte arg pixelig wirkt. Dafür läuft das Spiel aber auch auf PCs, die ungefähr um 1503 gebaut wurden. Nicht zuletzt sorgen die zahlreichen Szenarios, eine Kampagne und das geniale Endlosspiel für wirklich wochenlangen Spielspaß.
Rüdiger Steidle
