Jubel im Abenteurerlager: Der deutsche Entwickler Deck 13 setzt seinen Überraschungshit fort -- mit bewährten Tugenden und frischer Story!
D as Gütesiegel "Made in Germany" zählt wieder was -- zumindest bei den klassischen PC-Adventures. Nach der exzellenten "Geheimakte Tunguska" kommt jetzt immerhin schon der zweite deutsche Genre-Geniestreich binnen weniger Monate: "Ankh: Herz des Osiris" schließt spielerisch wie zeitlich nahtlos an die Geschehnisse seines beliebten Vorläufers an. Ergo erlebt der tollpatschige Ägypter Assil wieder ein turbulent-humoristisches Abenteuer: Freundin weg, heiliger Talisman weg, Brummschädel da! So erwacht der Tollpatsch in einer Seitenstraße von Kairo. Trotz der tristen Ausgangslage erkennen Sie schnell: Hier darf gelacht werden. Kein Dialog, der nicht mit süffisanten Anspielungen oder Kalauern gespickt ist. Dafür, dass die Scherze richtig rüberkommen, sorgen grandiose deutsche Sprecher -- ein Hörgenuss!
Klassisches knobeln
Spielerisch wandelt der vorlaute Assil auf Wegen, die seit LucasArts-Zeiten immer wieder beschritten werden: Gegenstände suchen, einsacken, kombinieren, verschenken -- mehr braucht ein Abenteurer nicht zu seinem Glück. Höchstens vielleicht noch eine komfortable Steuerung. Und auch in diesem Punkt erlaubt sich "Ankh: Herz des Osiris" keine Schnitzer: Schubsen Sie den Mauszeiger über ein Objekt, wird die sinnvollste mögliche Interaktion angezeigt, die Sie mit einem simplen Rechtsklick auslösen.
Diese Methode ist absolut idiotensicher und sorgt zusammen mit den abgedrehten aber stets fairen Rätseln dafür, dass auch Einsteiger schnell Erfolge feiern. Der Haken daran: Könner fühlen sich gelegentlich unterfordert und zocken den Ägyptenausflug in einem Rutsch durch. Dennoch kein Vorwurf an die Entwickler: Wir mögen unsere Spiele nämlich lieber kurz und knackig als lang und künstlich gestreckt.
Apropos gestreckt: An der grafischen Präsentation haben sich im Vergleich zum Vorgänger nur Nuancen verändert. Nach wie vor sehen die dreidimensionalen Hintergründe und Figuren sehr hübsch, wenn auch nicht ganz taufrisch aus. Moderner Effektschnickschnack ist uns in diesem Fall aber völlig wurst, weil etwas ganz anderes zählt: der entwaffnende Charme des Polygonpersonals. Typen wie der unkomische Komiker sind eben liebenswerter als ein "Unreal"-Söldner -- Bump-Mapping-Firlefanz hin oder her.tk n
